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Von welchem Stil leiten Sie Ihr Shoto-Kempo-Ryu ab ?

Eine weitreichende Frage, die hier aber nur in Kürze beantwortet werden kann.

Shoto-Kempo-Ryu ist von vielen Schulen, Strömungen und Lehrmeistern beeinflusst, im technischen wie vor allem geistigen Sinne. Näheres dazu erläutern wir ja ausführlich eingangs unserer Homepage.

Vereinfachend könnte man die Genealogie unseres Ryu auch in der historischen Linie der direkten Lehrer-Schüler-Beziehungen und -Einflüsse darstellen: Diese ist in direkter, d.h. persönlicher Lehr-Verbindungslinie in der Tat bis auf Funakoshi Gichin (1869-1958), Soke, Meijin, zurückzuverfolgen, dem offiziellen Begründer des Shotokan-Karate, Okinawa, Japan. Ihm folgen als direkte Schüler und spätere JKA-Chef-Instructoren Nakayama Masatoshi (1913-1987), Hanshi 9.DAN, als Soto-Deshi, diesem dann Kanazawa Hirokazu (1931), Hanshi, 10.DAN, der wiederum einer der (JKA- und später SKI-)Lehrer meines Lehrers Helmut Queckenstedt, Shotokan, Shorin-ryu (Zenkarate Soke), während seiner Karatestudien als DKU-Instructor in Japan war.

So gesehen stünde die Entwicklung unseres Shoto-Kempo-Ryu ganz in der Traditionslinie des Shotokan, wäre da nicht der immense Einfluß des Zen und der diesbezüglichen sino-japanischen (Shaolin-)Kampfkunst des Shorinji-Kempo von So Doshin (1911-1980), Kaiso, und zwar sowohl in technischer wie geistiger Hinsicht.

Lexikalisch ist Shoto-Kempo-Ryu Karatedo als "moderne Kampfkunst" eine "Variante des Shorin-ryu und Shotokan-ryu", was nicht falsch, aber nicht umfassend ist. Der vollständige Name >Shoto Shorinji-Kempo Ryu Aidokan Zen Budo Karatedo< offenbart die originären Wurzeln des Systems: Shoto (China) - Shorinji-Kempo - Aidokan (Friedvoller-Krieger) - Zen - Budo - Karate (leere Hand) - Do. Diese Rückbesinnung auf das eigentliche originäre Wesen der Kampfkunst geht historisch doch weit über Funakoshi hinaus (Yoga/Indien - Daoismus, Buddhismus, Shaolin Chuan Fa / China - Bushido, Zen, Budo / Japan).

Allerdings kann auch die Berufung auf irgendwelche noch so renommierten Vorläufer natürlich keine Qualität garantieren - aber das Fehlen jedweder Anbindung an eine Tradition durch einen persönlichen Lehrer (und dessen Lehrer) erhöht die Wahrscheinlichkeit minderer Qualität eines Stils doch sehr.

Es gibt sogar neuerdings Schulen, die sich wiederum von uns ableiten, jedoch haben diese keine Legitimation und Authentizität. Die bei uns ausgebildeten Sensei unterrichten alle "linientreu" die gemeinsame Sache, ohne jedwede Verselbständigungstendenzen und Selbstdarstellungsallüren, die ja oft die Ursache für Abspaltung und (vermeintliche) Neukreationen sind. Jede neue Generation eines Ryu bringt jedoch neue Impulse - und wie die Geschichte (gerade um die Nachfolge Funakoshis) zeigt, beides: manchmal zum Besseren und manchmal zum Schlechteren. Die Zukunft wird's zeigen.

Und wie gesagt: Ich verstehe unter Tradition, die Flamme zu erhalten - und nicht die Asche aufzubewahren !

Ossu
JMW

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