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Budo - Bujutsu: Beides Kampf - >Kunst< ?

Die Frage:

>> Was soll denn der Unterschied zwischen Kampf-Sport und Kampf-Kunst ? Budo und Bu-Jutsu ? Immer gehts um die Überlegenheit, die Effektivität, oder ? "Bu" heisst schließlich 'Kampf, Militär, Kriegerisch' und "jutsu" heisst 'Technik, Fähigkeit' , aber halt auch 'Kunst', aber nicht im Sinne von 'Schönheit, Ästhetik' , sonderen 'Kunst' wie 'Können, beherrschen'. Demnach heisst "Bujutsu" doch eigentlich 'Den Kampf beherrschen'. Bu-Jutsu ist damit reine Kampf-Kunst. Alles andere ist Quatsch - und worin soll Budo besser sein ? << (Externer, ein "Ninja")

die Antwort:

Richtig ist, daß das Kanji "BU" (Kampf/Militär) eigentlich aus 2 Zeichen zusammengesetzt ist, also aus 2 verbundenen Worten und ihren ürsprünglichen Wortbedeutungen besteht, nämlich: 1. dem Zeichen für "Hellebarde" (d.h. Waffe allgemein) und 2. dem Zeichen für "Anhalten" / "Stoppen". So gesehen heißt "BU" dann sinngemäß eindeutig "den Kampf beenden".

"JUTSU" das war insoweit korrekt, steht für "Technik" /"Können" / "Kunstfertigkeit" (nicht etwa für "Kunst" im ästhetischen Sinne).

"BU-JUTSU" heißt demnach aber nicht, "den Kampf beherrschen", sondern "den Kampf durch Können / Kunstfertigkeit beenden" - und meint natürlich durch den Sieg.

Wenn "DO" für den "Weg", das "geistige Prinzip" (diesbezügliche "Einstellung" usw.) steht, hebt "BU-DO" auf eine "innere Haltung" ab und meint demnach, "den Kampf zu vermeiden". Der Kampf wird nicht durch technisches Können beendet (JUTSU), sondern durch geistiges (DO), und zwar vorher.

(Siehe dazu z.B. auch die Homepage des Budo-Research-Centers, Germany)

Damit sind also ganz unterschiedliche Auffassungen und Prinzipien angesprochen, nämlich die realistisch-praktische Effektivität der siegreichen Kampf-Technik (Bu-Jutsu) auf der einen Seite - und den aufgrund von Können (natürlich!) gewachsenen "Geist" (Entschluß), das Phänomen des Kampfes (bzw. des Kämpfen-Müssens) zu überwinden, den Kampf grundsätzlich zu vermeiden.

Letztlich gibt es zwei unterschiedliche Argumente (und Kampfkunst-Lager in der Szene), Kampf-KUNST vom Kampf-SPORT zu unterscheiden:

Das eine meint, Kampf-Kunst sei was anderes (mehr) als Kampf-Sport, weil Kampf-Kunst für sportliche Regeln und Wettkampf viel zu gefährliche Techniken beinhalte und gerade auf den Verzicht von 'Regeln' angewiesen sei. Das wäre also die besagte Effektivität im Zweikampf (wie z.B. im Bereich der SV, im WT) - und damit aber von der Definition her "JUTSU".

Das andere meint, daß Kampf-Kunst gerade weil in ihr das "Geistige" (Philosophische, Zen usw.)so betont wird, sich vom blossen Sport (äußere Leistung / Sieg und Niederlage überhaupt)unterscheide.

Ich zähle zu denjenigen, die unter Kampf-Kunst jene "Kunst" verstehen, durch "Kämpfen-Lernen" das "Kämpfen-Müssen" (oder "-Wollen") aufzugeben, d.h. für die die Kampf-Kunst gerade jene Kunst ist, durch "Kämpfen-Können" erst den "Nicht-Kampf" zu verwirklichen.

In dieser Haltung eines erst auf Können (der Kunstfertigkeit innerhalb seines Systems) basierenden "Friedvollen Kriegers" eben sehe ich persönlich das Besondere der Kampf-"KUNST", die im Bu-"DO" über das Bu-"JUTSU" hinausgeht.

Aber: Ob Budo oder Bujutsu, Kampfkunst oder Kampfsport - alle sollten sich doch ihrer gemeinsamen Wurzeln besinnen und statt Konkurrenz und Mißgunst, päpstlicher Besserwisserei und Ignoranz lieber Offenheit und Toleranz praktizieren. Weder gibt es die "beste" Technik oder Disziplin", noch die "einzige" Wahrheit.

WIE jeder übt ist entscheidend - nicht WAS...

Ossu

Jörg Wolters

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