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Spirituelle Kampfkunst - Was ist das ?

Kampfkunst ist als Kampf-"Kunst" (im Unterschied zum -"Sport") immer schon wesentlich auch auf den "Geist" des Ausübenden, d.h. die Entwicklung der Persönlichkeit und Entfaltung des innersten eigenen Selbst orientiert, also "spirituell" - oder sollte es sein.

Kampfkunst ist eine originär yogische und zutiefst "Zen-trierte" Praxis und erfordert die rechte innere Haltung der an der ganzheitlichen Auseinandersetzung mit dem wahren Wesen des eigenen "Ich" interessierten Wegschüler.

Um echte Kampfkunst zu lernen braucht es immer an "Geist und Seele" ernsthaft arbeitende, ausgebildete und erfahrene Lehrmeister !

Aber:

Diese sind rar. Sie unterscheiden sich gänzlich von nur Phrasen dreschenden Pseudopsychologen, die ihre Autorität als "Meister" und ihren esoterischen Stil mit völlig sinn-, geist- und wertlosen Plattitüden untermauern wollen (z.B. vom "Sinn der Sinne", "Geist des Geistes" oder "Wert der Werte" fabulieren), solchen, die Spiritualität mit Spiritismus und Okuden mit Okkultismus oder Zazen mit pompösen Zeremonien verwechseln.

Hier lauern im Budo besondere Gefahren, an falsche "Meister" und "Heiler" zu gelangen: Profane Neukreationen, denen es an Legitimation und authentischen Inhalten fehlt, geben sich den Anschein eines geistvollen Lehrsystems allein durch Verwendung bedeutungsträchtiger, philosophisch klingender Namen oder Slogans - aber der rechte Budo-"Spirit" (Geist), den die japanischen Künste "Seishin" (Geist-Herz) nennen, ist weit mehr und etwas ganz anderes als nur ein - gar in die Irre (!) führendes - Etikett.

Spiritualität und spirituelles Budo sind ernsthafte Bemühungen des Menschen um Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis und kein schmückendes Beiwerk einer rein äusserlichen (sportlichen) Bewegungskultur im Allgemeinen oder eines "normalen" Sportkaratevereins im Speziellen. Auch Floskeln aus dem intellektuellen Höhenflug selbsternannter Lehrer oder sich als Insider wähnender Übungsleiter zeugen eher vom Gegenteil des so versuchten Weisheitsbeweises; und vom Gegenteil dessen, worum es in der spirituellen (Budo-)Arbeit geht.

Das zutiefst spirituelle Wesen der Kampfkunst-Wege habe ich an vielen anderen Stellen ausführlich erörtert; hier bleibt daher nur, aus Verantwortung für die Qualität von Budo in Pädagogik und Therapie und im Namen der professionellen und seriösen Anbieter erneut eine Warnung auszusprechen:

Denn diese falschen "Psycho-Budo-Meister" sind durchaus noch viel gefährlicher als die reinen Kampfsport-Dilettanten, die in ihrem Training nur blödsinnige oder ungesunde Übungen anleiten, weil diese "Weisen" und "Heiler" nämlich ernsthaften Schaden an Geist und Seele, eben der Psyche ihrer ahnungslosen, gutgläubigen Schüler verursachen können.

Ich denke daher, dass hier das neue Psychotherapiegesetz zum Schutz der Menschen und ihrer Gesundheit vor Scharlatanen zur Anwendung kommen sollte. Der Psycho-, Wellness-, Fitness- und Esoterik-Markt aber boomt zügellos am Rande und lässt so manchen unheilvollen Wildwuchs gedeihen, auch in der Budo-Szene. Gesetzliche Regelungen scheinen hier unverzichtbar.

Auch die dubiosen Meister und Stilbegründer, die plötzlich unkontrolliert als Anti-Gewalttrainer und Kinder-Sozialtherapeuten auftreten oder als Behindertenintegrations-Päpste firmieren, sollten in ihrer Arbeit mit besonders sensiblen und schutzbedürftigen Zielgruppen (wie Kindern, Jugendlichen, Gewalttätern, Missbrauchten, Kranken, Behinderten usw.) gesetzlich besser kontrolliert werden. Bis dahin ist besondere Vorsicht geboten und die Anbieter scheinbarer Budo-Heilswege hinsichtlich ihrer vermeintlichen Kompetenz kritisch zu hinterfragen.

Dr. phil. Jörg-M. Wolters
www.budo-paedagogik.de

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