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Was sind die aktuellen Trends im Budo ? Und was halten Sie davon ?

"Trends" sind immer nur Mode-Erscheinungen - und schon von diesem Wesen her nicht Budo, sondern das Gegenteil: Budo als eine originäre, alt überlieferte und über Jahrhunderte etablierte traditionelle Lehre unterliegt keinen neuen "Trends" und modernen Strömungen je nach aktuellem Zeitgeschmack. Kann es nicht und darf es auch gar nicht.

Ansonsten dürfte sich Alles ja immer als eine angeblich nur "neue" Form des "Alten" verstehen, selbst wenn dabei die elementaren Grundsätze und Eigenheiten des eigentlichen Originals verfälscht, verfremdet oder verleugnet werden, so dass am Ende etwas völlig Anderes dabei herausgekommen ist. In dieser Willkür liegt die Gefahr einer Verwässerung und Pervertierung des Ursprünglichen.

Manchmal meint man, dieser in Wahrheit völligen Abkehr oder gar Umkehr vom Eigentlichen (dem Ursprünglichen) nun dadurch eine vermeintliche Berechtigung unterstellen zu können, dass es sich um eine angebliche "Weiterentwicklung" - eine Verbesserung gar - handeln würde.

Noch so abstruse Neuheiten werden dann als notwendig gewordene "Anpassungen" - an den Zeitgeist, die Kultur oder den modernen Menschen (sogar der "deutschen Mentalität" oder der "regionalen Strukturen") - gepriesen, obwohl sie dem wahren Wesen dessen, das nun dem Fortschritt unterworfen wird, absolut widersprechen.

Jeglicher Wert einer Sache aber (das ist beim Budo wie beim Gold und allem so) basiert auf Beständigkeit, die jedweden kurzlebigen Modetrends oder Inflationen widersteht. Derartige Neuerscheinungen als auf Traditionen beruhende Weiterentwicklung legitimieren zu wollen, ist absurd. Gelöschtes Feuer ist, wenn es nun mal nicht mehr brennt, kein Feuer mehr, sondern Schutt und Asche. Den Löschvorgang selbstgefällig als Anpassung oder gar Fortschritt zu verkaufen, ist reiner (Selbst-)Betrug, und oft jener, deren Budo-Wissen und -Verstand sich in dem irren Gefasel "vom Sinn der Sinne" und "Wert der Werte" ihrer Neukreationen verliert.

Zeitgeist scheint es auch zu sein, von "Budosport" oder "Budosportarten" zu reden - und diejenigen merken noch nicht einmal, wie unsinnig das ist. Budo ist kein Sport. "Budosport" gibt es so wenig wie schwarze Milch. Schon der Begriff "Budosport" ist ein Oxymoron (ein paradoxes Wort, das sich selbst widerspricht) und somit mehr als eine Stilblüte: es ist der Beweis des Unverständnisses dessen, wovon die Rede ist. Wir wissen um die fundamentalen Unterschiede von Sport/Kampfsport und Kampfkunst (Budo) und dass beides vom Wesen her ganz unvereinbar ist.

Dennoch wird selbst in sog. Fachzeitschriften "Der neue Trend: Sound- und Body-Karate" als Workout nach Musik und als Show als eine positive und auch nicht mehr aufzuhaltende "neue Entwicklung des Karate und der Karateverbände" gepriesen und sogar behauptet, das Ganze beruhe auf dem traditionellen Karatedo. Begründung: "Der ganze Unterschied zum traditionellen liegt letztlich nur im richtigen Verständnis" (budoworld 06/07:56). Aha¬Ö.

Gottseidank heißt es in derselben Zeitschrift an anderer Stelle in einem Interview mit Goshi Yamaguchi: "Wer Karate nur sportlich trainiert, meistert seine Aufgabe nicht", denn solche Karateka sind "schwach, wenn ihnen der Hintergrund fehlt"; in der Praxis des Karate-Do im Sinne des Budo jedoch "treten die heilenden, die spirituellen Aspekte stärker hervor" - und die machen das Wesen des traditionellen Karate erst aus (ebd. 48).

Trends sind des Budo Tod.

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