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G i j u t s u y o r i s h i n j u t s u -
Die Kunst des Geistes kommt vor der Technik

Funakoshi Gishin, legendärer Ryu Kyu Kempo Karate - Meister, nach dessen Künstlernamen Shoto dann später auch der auf ihn zurückgeführte japanische Karatestil Shoto kan benannt wurde, hatte von Anfang an grossen Wert darauf gelegt, die Kampfkunst nicht als blossen Sport mißzuverstehen.

Sein auf das Wesen des Karate als Karate-"Do" (Weg) abhebender Ausspruch Gijutsu yori shinjutsu - "Die Kunst des Geistes kommt vor der Technik", den er in seinen 20 Grundregeln (Shoto-Niju-Kun) für die rechte Ausübung der Praktizierenden niedergelegt hat, ist ein Beleg dieser Auffassung. Funakoshi betont den rechten Geist, nicht die blosse Technik der Kampfkunst.

Genauso denken auch die heute als "Traditionalisten" bezeichneten Karateka, die im Gegensatz zu den Anhängern des modernen Karatesports deswegen auch nichts von Wettkampf und Olympia halten.

Doch paradoxerweise berufen sich immer wieder auch die Sportkarateka des Shotokan und ihre Verbände, wie der deutsche DKV als offizielles Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) auf Funakoshi und behaupten, er sei angebliche der "Begründer des modernen Karate", also ihres Sportkarate.

Das ist in mehrfacher Hinsicht Unfug: Funakoshi war nachweislich gegen jede Versportung des Karatedo.

Diejenigen seiner Schüler, die später gegen den ausdrücklichen Willen ihres Meisters dennoch mit sportlichem Wettkampfkarate und seiner Verbreitung berühmt geworden sind (Nakayama, Nishiyama und Co), waren alle nur Soto-deshi, "äussere Schüler" Funakoshis Systems, keine Uchi-deshi ("innere, wahre Schüler", wie nämlich Egami) - und somit auch überhaupt nicht legitime Vertreter oder etwa gar Nachfolger. Funakoshi und diese abtrünnigen ehemaligen Schüler, die den Wunsch des Meisters ignoriert und die Ideen über die Lehre des Meisters geradezu verraten haben, waren am Ende völlig zerstritten; doch das wird verschwiegen (oder zuweilen sogar geleugnet).

Trotzdem beriefen schon damals - und berufen auch heute - sich alle Sportkarateka nach wie vor auf Funakoshi und verdrehen schamlos die Wahrheit. Funakoshi und das Karate, das er betrieb, war nicht das, was als "modernes Sportkarate" unter dem Namen Shotokan betrieben wird. Selbst gegen diese Stilbezeichnung "Shotokan" (die eine Erfindung auch jener falschen Schüler war), war Funakoshi, der seine Lehre selber auch niemals so nannte und sein Karatedo auch nicht als einen "Stil" begriff, sondern als eine innere geistige Haltung der rechten Ausübung dieser Karatekunst. Das bezeugt obiger Ausspruch trefflich.

Damals wie heute profilieren sich die Sportkarateka wahrheitswidrig mit dem berühmten Meister, auf den sie sich ständig so gerne beziehen. All ihre Versportungsideologie und deren Auswüchse wie Sound-, Aerobic- und Fitnesskarate widersprechen dem Geist des Karatedo, dem, was diese Kampfkunst einst war, sein sollte und für die Traditionalisten auch noch ist.

Aber noch widersinniger ist, dass ausgerechnet diese angeblichen Nachfolger des Funakoshi und seinem Kara-Te nun in ihrem olympischen und wettkampfsportlichen Eifer immer stärker gerade die traditionellen, klassischen Karateauffassungen und -stile bekämpfen; gerade die, die ganz im Sinne Funakoshis das Karate-Do als Kampfkunst praktizieren:

Offen werden sie von Verbänden, die eine sportpolitische (wie finanzwirtschaftliche) Monopol- und Allmachtstellung und die Vereinheitlichung des Karate anstreben, diffamiert und (oft auch mit unlauteren, dem Wesen des Budo zutiefst widersprechenden Mitteln) bekämpft. Aktuell lässt sich dies gut an den letzten beiden DKV-Magazinen (Nr.2 und 3/2007 im Editorial) erkennen, in denen der Kampf gegen die kleinen Konkurrenzstile, -vereine, -verbände und deren Mitglieder sowie jeder kleine "Erfolg" dabei in, wie man sagen muss, an Peinlichkeit grenzender Selbstherrlichkeit beschrieben werden.

Diese Leute haben nichts vom Karate als Karatedo verstanden. Ihr Geschäft ist das Geschäft, Business. Macht, Einfluss, Geld, auch Titel und Pokalen gilt eher ihr Interesse und Streben; und, immer am Rande, das Gerangel um Posten und Pöstchen. Funakoshis Karate - geschweige denn Karatedo - ist nicht ihr Metier. Sie, die Funktionäre und Nationalteams, Kader und Trainer zelebrieren Meisterschaften - nicht Meister. Meister im Sinne des Budo (Sensei) sind etwas anderes als Deutsche oder Weltmeister. Aber "Trainer" sind eben auch keine "Lehrer" und verstehen daher auch nichts vom Wesen des Do, den geistig-spirituellen Weg, der Lehre der Kampfkunst.

Wer Karatedo, wer Kampfkunst überhaupt verstehen will, muss Funakoshis Leitsatz verstehen...

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