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Wie vererbt sich die Kampfkunst über die Generationen ?

Ohne Wurzeln kann kein Baum zur Größe erwachsen.

Ohne Anbindung an eine traditionelle Lehrerlinie - ohne Sensei - kann Niemand sich zum Meister entwickeln.

Wer seine Herkunft, seine Lehrer und das von ihnen Erlernte leugnet, ignoriert oder vergißt und alles, was er jemals durch andere erst geworden ist, nicht ehrt, wird das Erbe der Kampfkunst nicht annehmen und weitergeben können.

Wer meint, er selber habe aus sich heraus Wissen, Verstehen und Können geschöpft, sich selbst wichtiger nimmt, als jene, die ihm erst alles gegeben, folgt keinem Weg, sondern nur einem Egotrip.

Sich erheben über die Alten, die Weisen, die Lehren, sich aufschwingen zum selbsternannten Propheten ? Das tötet das Wesen des Budo. Wertlose Neukreationen, sich wahrheitswidrig auf Bewährtes berufend, dienen nicht der Wahrung der Kampfkünste und ihrer Weglehre, sondern allein den Begründern ihres banalen Unfugs und ihrer persönlichen Selbst-Stilisierung.

Kampfkunst ist Jahrhunderte, Jahrtausende währende Kulturleistung, weitergegeben von Meistern an ihre Schüler, fortentwickelt im Geiste originärer Weisheit und Wertschätzung der Schöpfung und ihrer Überlieferungen. Fortschritt und Wandlung entsteht durch Kontinuität in der Entwicklung, der systematischen Planung und Erfahrung von Verständigen, Eingeweihten, Experten - nicht durch ad hoc-Phantasien profilneurotischer "Lebenskünstler", die ihr eigenes Leben, ihre neue Rolle darin, neu erfinden.

Jede Meisterschaft erfordert ihre Lehrzeit, jeder Meister seine fundierte Fachausbildung. Ohne diese kann man keine echt Kampfkunst kreieren, sondern höchstens sich selbst. Sich selbst kreieren aber ist das Gegenteil des Budo als Schulung des Selbst auf dem Weg. Ohne Weg keine Do-kunst.

Die Geschichte der Kampfkunst aber hat seit jeher unter unwürdigen, sich selbst überschätzenden Schülern gelitten, die lieber sich selbst als "Lehrer" von irgendetwas Neuem, gar Besserem inszenierten, als den schwierigen Weg zu gehen, dem Beispiel ihres Lehrers im Do zu folgen.

Kaum eine Kampfkunst, in der nicht "Abtrünnige", Ehemalige oder Gescheiterte sich vom Bunde ihres / ihrer Lehrmeister lossagten und stattdessen schnelle Karriere mit "Eigenem" (Stil, Verband) suchten; oft im Streit, nie mit Erlaubnis.

Der Mensch neigt eben zum Einfachen, Profanen, zur Selbstdarstellung. Was gelten ihm Arbeit, Üben, Lernen, wenn auch ohne diesen Erfolg schneller Ruhm, Status, Geld ohne viel Eigenleistung erreicht werden kann ? Was gelten ihm Respekt, Loyalität, Dankbarkeit und Treue, die von ihm den anderen gegenüber erbracht werden müßte, wo er sie doch stattdessen nun selber von seinem neuen Gefolge für sich einfordern kann ?

Kampfkunst entwickelt sich. Legitim, authentisch, logisch und somit positiv weiter, oder sie mutiert, retardiert oder pervertiert gar zu einem abstrusen Sammelsurium spektakulärer Oberflächlichkeiten, begründet von Laien, Dilettanten, Hochstaplern und Betrügern.

Ohne Vater und Mutter, ohne Erziehung, Heim und Familie wird jedes Retortenbaby lebenslang ein Mängelwesen bleiben.....

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