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Trittbrettfahrer als budopädagogsiche Fortschrittsbremse

Kampfkunst KANN pädagogisch wertvoll sein. Tatsächlich haben wir mit unserer seit 20 Jahren schon sozial- und budopädagogisch geprägten Kampfkunst die Szene so beeinflußt, dass mittlerweile selbst solche Stile, Vereine und Clubs von "Pädagogik und Psychologie" reden, die mit ihrem Angebot vom erzieherischen Wesen der Kampfkünste weit entfernt sind und deren Trainer rein gar nichts von Pädagogik oder gar Psychologie verstehen !

Natürlich ist es werbewirksam, in der Öffentlichkeit von Sozialverhalten, Persönlichkeitsentwicklung und Anti-Gewalt-Training durch die Kampfkunst zu reden - nur: wer auf diesen Zug springt, sollte auch was von der Sache verstehen !

Ausserdem ist es paradox, sich einerseits eine positive Wirksamkeit zuzuschreiben und andererseits aber selber genau das Genteil dessen zu verkörpern ! Ebenso widersinnig ist die Übernahme der Besonderheiten derer, die schon immer in ihrer Kampfkunst gezielt erzieherisch gearbeitet haben und sie dennoch hintenrum gleichzeitig bekämpft. Weil man aber den Erfolg der anderen (den man jenen natürlich auch noch mißgönnt) eben nun auch für sich in Anspruch nehmen will, wird hier schamlos geklaut, geleugnet und gelogen !

Ohne Fachkenntnis, Qualifikation und Kompetenz auf dem Gebiet der Pädagogik und Psychologie (ja selbst ohne anerkannte Budograduierung) posaunen Laien, Dilettanten und Scharlatane wahrheitswidrig heraus, sie würden besondere Fähigkeiten besitzen, um ihre Schüler pädagogisch zu führen, zu lenken, zu fördern. Beim genauen Hinsehen entpuppt sich aber die angebliche "Fachausbildung" als (wenn überhaupt) fragwürdiger Internetkurs, der "Besuch der XY-Schule" (per sprachlich geschickter Irreführung) als bloße Besichtigung des Gebäudes mit einmaligem Rein- und Rausgehen. Hauptsache, der potentielle Interessent glaubt einem. Auch kann man sich schnell zum "Schüler von XY" (warum nicht gleich Bruce Lee) erklären, ohne es real gewesen zu sein, nur, weil man sich halt "so fühlt". Hört sich doch aber super an...

Solch Größenwahn und Hochstapelei zeugen in Wahrheit von der Profilneurose und tatsächlichen Mickrigkeit derer, die ohne eigenes Zutun Anerkennung erschleichen und weitestmöglich profitieren wollen, aber von eigener Größe nur träumen müssen. Einfacher ist es ihnen, sich mit fremden Federn zu schmücken, als durch ehrliche Eigenleistung zu glänzen. Und jede noch so geringe Kleinigkeit, die vielleicht wirklich im eigen Dunst entstanden ist, wird zum großen Event aufgeblasen. Gut, wenn man da Beziehungen zu den Medien hat...

Abschreiben, Kopieren, Nachahmen und (selbst unter Verletzung von Urheberrechten auch) Stehlen ist daher das Geschäft derer, die immer mehr sein und haben wollen, als sie sind und können. Selbst das von anderen Übernommene wird wahrheitswidrig als Eigenkration verkauft (oder glauben die das sogar selber?) und dabei jede Verbindung zum Original geleugnet. Dennoch scheuen und schämen sie sich nicht, sogar öffentlich zu prahlen und mit übertriebenem Getöse jene Aufmerksamkeit zu erzeugen, die sie sich redlich nicht erarbeiten konnten und könnten und die ihnen beim Blick hinter ihre wahre Fassade sicher gar nicht vergönnt wäre...

Solche "Lehrer" pervertieren Budo: Sie stehen nicht für Rechtschaffenheit, Bescheidenheit, kritische Auseinandersetzung mit sich selbst und intensive Arbeit auf dem Weg. Sie pervertieren auch das Anliegen der Pädagogik: Sie stehen nicht für Ideale, lohnenswerte Ziele, gewaltfreie Verwirklichung des Selbst und Sozialverträglichkeit.

Es können seriöser Weise nur speziell ausgebildete Meister/Meisterinnen professionelle pädagogisch arbeiten. Auch das gern von jedem Kampfsporttrainer in absoluter Selbstüberschätzung betretene Gebiet der Gewaltprävention obliegt allein den Fachleuten: Sozialarbeitern, Pädagogen, Psychologen.

Wer sein normales Sportangebot als Selbstbehauptungskurs, Soziales Training, Anti-Gewalt-Programm oder sonstwie "pädagogisch wertvoll" etikettiert, betrügt die Auftraggeber, Eltern und Teilnehmer - und schadet dem allgemeinen Ruf der erzieherischen Kampfkünste.

Wider den Scheinheiligen und Populisten - es lebe Budo-Pädagogik !

Shoto-Kempo-Kai

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